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Australien 2006

Alice Springs - Great Central Road - Gwalia - Kalgoorlie

Routen Details

Datum
25. September - 17. Oktober 2006
Route
Alice Springs - Owen Springs - Yulara - Giles Creek - Parallel Rd Nr. 2 - Cosmo Newberry - Laverton - Leonora - Gwalia - Niagara Dam NR - Menzies - Kalgoorlie
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Routenplan (Klicken zur Grossanzeige in separatem Fenster)

Zurück in Alice Springs zu sein, heisst für uns zurück ins "normale" Leben zu kommen, da wir hier viele organisatorische Dinge zu erledigen haben.

Am Montagmorgen ist es erst mal wichtig einen Termin für den 10'000 km Service des OKAs zu bekommen.
Wir werden diesen bei Don Kyatt, dem offiziellen OKA Vertreter in Alice Springs, machen lassen. Ron Clark, der Manager und selber Eigentümer eines OKAs, ist glücklich die Möglichkeit zu bekommen, sich den ersten neuen OKA einmal genauer ansehen zu können.

Er verpasste die Gelegenheit ja letztes Jahr, da für die Auslieferung unseres Wagens nach Alice Springs der falsche Transporter gewählt wurde und wir darum den OKA in Perth hatten übernehmen müssen.

Nach dem Besuch beim Händler gehen wir zur Bahnstation in Alice um uns den "Ghan" anzusehen.

1878 wurde mit dem Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen der Süd- und der Nordküste Australiens begonnen.
Langsam wurden die Schienen von Port Augusta nach Oodnadatta verlegt, wo dann für die nächsten 40 Jahre erst mal Schluss war.
Zu dieser Zeit wurde der Personen- und Lastverkehr zwischen Oodnadatta und Alice Springs mit Hilfe von Kamelkaravanen, welche von hart arbeitenden Afghanen geführt wurden, abgewickelt. Als die Eisenbahn schliesslich Alice Springs erreichte, wurde der Zug unter dem Nahmen "Ghan" bekannt.

Die Geschichte bezüglich des Namens der Eisenbahn, ist allerdings nicht unumstritten.
Während der langen Zeit ihres Dienstes, war sie auch als Afghan Express, Afghan Special, Royal Ghan und Flash Ghan, bekannt.
Alle Geschichten haben aber gemeinsam, dass der Name auf den Afghanen basiert, welche damals die Verbindung mit ihren Kamelkaravanen aufrecht hielten.

"Herzig" sind die kleinen Verkaufsstände der lokalen Touranbieter, welche vor dem Bahnhof aufgestellt sind.

Da der Zug sowohl Passagiere als auch deren Fahrzeuge transportieren kann, interessieren uns natürlich die Preise ..... aber die bewegen sich weit ausserhalb unseres Budgets.
Wir sind über die hohen Preise erstaunt, da wir als Schweizer an Züge gewohnt sind und den Ghan in keiner Weise spektakulär finden.
Nichts desto trotz, freuen wir uns, den bekannten Zug einmal aus der Nähe gesehen zu haben und fahren dann kurz vor seiner Abfahrt zur James Orr Brücke, welche sich ein paar Kilometer nördlich von Alice befindet.

Die lange, gerade Strecke ist schon imposant.
Der Ghan verlässt Alice Springs um 16:10 und erreicht die Brücke um 16:35.

Wir fahren zurück auf unseren Platz auf dem "Stuart Caravan Park" und bleiben über Nacht dort.
Wir haben uns entschlossen einmal einen anderen Campingplatz zu testen und dieser ist am nächsten am Stadtzentrum.
Aber wir werden nicht glücklich, denn die Dusch- und Toilettenanlagen sind pflegebedürftig (run down) und der Strassenverkehr stört die ganze Nacht hindurch.
Gottlob ist es mit 16°C nicht all zu warm und wir können die Fenster schliessen.

Heute Dienstag wird der OKA inspiziert und gewartet.
Neben der Achse, welche Öl verliert, findet der exzellente Mechaniker noch einige weitere Dinge, die repariert, resp. ersetzt werden müssen. Da es sich um Garantiearbeiten handelt, beschliessen wir, alles zu photographieren und die Bilder an OKA zur Beurteilung zu schicken. Sie werden entscheiden müssen, ob das hier und sofort, oder erst später in Perth, von ihnen selber, gemacht werden muss.

Der sonnige Nachmittag ist ideal zum einkaufen .... "Mitre 10" für allgemeines Bau- und Ersatzmaterial ... "Broken Spoke" für Fahrradersatzteile ....
In Alice ist praktisch alles was wir brauchen erhältlich und nur weniges werden wir erst in Perth bekommen.
Das ist gut für uns, da Alice Springs ein Ort sein wird, wo wir öfters vorbeikommen werden um alles Notwendige ein- und nachzukaufen bevor wir jeweils wieder in den "Busch" verreisen.

Wir geniessen den angenehmen Nachmittag mit seinen nur 29°C. Das ist ein kleiner Unterschied zu der Hitze von gestern.
Die Temperaturen in Alice sind stark von der Windrichtung abhängig. Vom Norden kommen heisse Winde, von Süden kalte. Aber in keinem Fall wird es schwül, da die Feuchtigkeit im Laufe des Tages normalerweise bei etwa 25% liegt.

Am Mittwoch wechseln wir vom "Stuart Caravan Park" zurück auf den "MacDonnell Range Holiday Park (Big4)" wo wir uns wohler fühlen.
Der Platz ist zwar pro Tag mindestens 3 Dollar teurer, aber es sind es doch viele kleine Dinge die es und Wert sind.

Wir haben im Sinn über die Great Central Road nach West Australien zurückzufahren.
Da wir teils durch Aborigini Gebiete fahren, haben wir die entsprechenden "Permits" zu organisieren. Die meisten der Aborigini Communities wollen wissen, wer "ihr Land" bereist und verlangen, dass man sie zuerst um Erlaubnis fragt. Andere Communities sind für nicht Aboriginis sogar gänzlich gesperrt.
Theoretisch ist jeder Eingeborene berechtigt, jedermann auf dem Gebiet anzuhalten und nach dem Permit zu fragen.
Die ganze Geschichte mit diesen Permits ist sehr umstritten, zumindest solange man die normalen Durchgangstrassen nicht verlässt.

Da wir damit noch nie konfrontiert wurden, sind wir etwas gespannt, was uns wohl auf dem " Land Council" in Alice Springs erwartet.
Was ist, wenn ihnen unsere "Nase" nicht gefällt und sie das Begehren ablehnen?
Wir sind dann aber überrascht von der Freundlichkeit und Effizienz der Angestellten.
Innert ein paar Minuten haben wir die Erlaubnis für die Durchfahrt, des auf dem Northern Territory befindlichen Teils.

Auch wird uns erklärt, wie wir, via Internet, die Erlaubnis für den, auf West Australischem Gebiet gelegenen Teil, bekommen.

Auch hier ist alles erklärt, so dass sich auch erstmalige Benutzer des Systems gut zurechtfinden können.
Einige Stunden später schon bekommen wir das E-Mail mit der Bewilligung zugestellt.

Am Nachmittag ziehen ein paar Wolken auf und die Nachttemperatur bleibt auf 20°C.

Am Donnerstag ist es bewölkt und währen des ganzen Tages regnet es ab und zu.
Da die Wetterprognosen gut sind, arbeitet Ruedi an der Verankerung des Sonnenschirms. Wind ist ein Problem für den grossen Schirm; die unvorhersehbaren Böen (Willy Willy) sind manchmal sehr stark.
Ebenfalls installiert er an der Vorderseite des Wagens, von der Bullbar bis zum Camper-Aufbau, Stahlseile. Diese werden auf schmalen Tracks, beim durchfahren von Buschland und Wäldern, die Äste abweisen helfen.

Für den Nachmittag künden sich Fredy and Monika an und so reservieren wir auf dem Campingplatz den Nachbarplatz für sie.
Das ist eine unerwartete, aber willkommene Überraschung (Sat-Phone sei Dank). Wir hatten sie das letzte Mal bei den Butterfly Springs getroffen, als sie nordwärts unterwegs waren .

Wie vorausgesagt, ist der Freitagmorgen sonnig und die Temperaturen schon bald über 30°C.

Ruedi montiert den Sonnenschirm und lässt den Wind seine Verankerung testen..
Es funktioniert. Auch die nachmittäglichen starken Böen beeindrucken die Abspannung nicht.

Die Damen geniessen zwei Tage mit Fotos editieren, schwatzen und entspannen ...
Es ist immer das selbe: Sobald Fredy auftaucht hat Ruedi das Bedürfnis einige hängige, technische Probleme anzugehen ... Ist ja auch verständlich, da Fredi schon von Berufes wegen viel mehr Erfahrung hat und Ruedi somit viel lernen kann (Danke Fredy).
Die alte Fettpresse wird ausgepackt und die Herren kriechen unter den OKA um diesen "abzuschmieren".
Dann brauchen sie aber schon bald etwas mehr "Fleisch am Knochen" und sie entscheiden sich ein Rad des OKAs auseinander zu nehmen um ein verbogenes Ventil zu ersetzen.
Das ist eine echte Herausforderung, da der OKA zusammen geschraubte Felgen hat, die Reifen zusätzlich mit "Bead-Locks" versehen sind und beide Männer mit solchen Dingen keine Erfahrung haben. Die Operation gelingt. Ein "Bead-Lock" ist ein, in den schlauchlosen Reifen montierter, mit einem Kevlar Mantel umschlossener Schlauch, welcher den schlauchlosen Reifen and das Felgenbett drückt. Damit wird verhindert, dass der Reifen, bei niedrigem Reifendruck, im Sand, von der Felge rutscht.

Die Abende werden mit essen, trinken und noch mehr plaudern verbracht. Wenn man sich versteht, vergeht die Zeit im Fluge!

Während dieser Tage erreicht uns auch ein Mail von OKA mit deren Entscheidung, dass sie sich die hängigen Problem in Perth ansehen und reparieren möchten, damit sie besser analysieren könnten, was wirklich falsch ist.
Damit wird in Alice lediglich der ganz normale Service durchgeführt. Wir verabreden den Termin für nächste Woche.

Am Sonntagmorgen werden auf dem Big4 gratis Pfannkuchen serviert - ein MUSS!
Die Dinger sind so gut, dass wir beinahe platzen.

Fredy und Monika fahren am Montag in Richtung Süden los. Wir haben bereits den 2. Oktober und sie fliegen von Adelaide schon bald in die Schweiz, wo sie die Wheinachtszeit verbringen werden.
Auch wir machen uns langsam startklar, besorgen alle ausstehenden Ersatzteile und waschen Kleider.

Das Wetter wechselt erneut und es regnet wieder, auch wenn die Temperaturen hoch über 30°C bleiben.
Wir sind überrascht ob dem vielen Regen hier in Alice aber die lokalen meinen nur: "Wir nehmen den Regen immer gern, wann immer er kommt".
Wir hoffen nur, der Regen ruiniert unsere Pläne nicht, über die Great Central Road nach West Australien zu fahren ....

Am Dienstag packen wir unsere sieben (oder sind es wohl doch ein paar mehr ...?) Sachen zusammen und ziehen auf den "Wintersun Caravan Park" um, da dieser am nächsten bei der OKA Garage ist. Sollte der Service zu lange dauern, so könnten wir dort einen Tag mit unseren PCs arbeiten.
Das ist einer der Nachteile eines Campers, da man bei längeren Reparaturen und Servicearbeiten nicht im Wagen wohnen kann.
Aber wir können in der Garage auf den Wagen warten und dort arbeiten.

Donnerstag der 5. Oktober ist Abfahrtstag.
Wir holen unsere Post, welche von unserem Postdienst in Queensland ( www.passthepost.com.au ) als "post restante" nach Alice Springs geschickt wurde, auf der Post ab.
Dann ist es Zeit die neu generierten Daten auf unsere Web-Page hochzuladen und Richtung Süden zum Owen Springs National Park zu fahren.
Wir sind vor einiger Zeit schon einmal hier gewesen und haben gemerkt, dass die, nahe dem Stuart Highway gelegenen Bushcamps ideal sind um einige Tage dort zu stehen um auf den Lab-Tops zu arbeiten.
Da keinerlei Dienste, wie Toiletten, Wasser, u.s.w. angeboten werden, wird auch kein Eintritt verlangt..

Auf dem Weg nach Süden sehen wir einige Wolken herumlungern, aus welchen Regen fällt, welcher aber nie den Boden erreicht ....
Auch sehen wir, dass die MacDonnell Ranges irgendwie verschwommen sind. Ist das vom regen, oder von was sonst?


Im Owen Springs Nation Park finden einen schönen Platz an der Sonne.
Das erste was wir bemerken, ist die Unmenge von Fliegen - so etwas haben wir bis jetzt noch nie erlebt!
Da der Camper aber rundherum mit Mückentüll versehen ist, ist es kein wirkliches Problem und wenn man mal raus muss, dann eben mit den Fliegennetzen über dem Kopf.

Ruedi stellt fest, dass das starke Wellblech, auf der nur 5 km langen Piste zum Camp, genügt hat, um die Spanner der Astabstreiferseile zu lösen und ein Spanner verloren ging.
Obwohl er ein gutes Stück zurückläuft, in der Hoffnung das gute Stück zu finden, hat er kein Glück. Ab sofort werden alle Schäckel und Spanner mit Draht gesichert und der fehlende Spanner notdürftig ersetzt.
Wir lernen jeden Tag etwas dazu ....

Es bläst zeitweise ein starker Wind, was zwar gut für die Kühlung und gegen die Fliegen ist, aber gleichzeitig feinen Sand ins Innere der Kabine bläst.
Nun wissen wir auch, warum die Ranges vorher nicht klar zu sehen gewesen waren. Das ist aufgewirbelter Sand von einem Sandsturm!

Susi ist mit dem vorkochen von Esswaren beschäftigt. Speziell das Gemüse hält bei diesen hohen Temperaturen von nahe an die 40°C nicht lange.
Auch essen wir hauptsächlich Salat und kaltes Fleisch.
Die Fliegen drehen am Küchenfenster während des Kochens komplett durch .....

Wir installieren uns, da wir doch einige Tage hier bleiben werden.
Ruedi hat noch einige Dinge am OKA zu reparieren und ebenfall wollen wir hier Bilder des OKAs schiessen welche wir auf der OKA-specific web page verwenden wollen.
Sobald diese Webseite publiziert ist, werden wir die Leute vom Overlander 4WD Magazin, dem grössten 4WD Magazin in Australien ( www.overlander.com.au ), informieren und mit ihnen am geplanten Artikel über unser Gefährt arbeiten.
Das generieren der Bilder nimmt einige Tage in Anspruch, bis wir endlich mit dem Resultat zufrieden sind.

Zwischen durch wandert Susi immer wieder durch die nähere Umgebung und schaut sich die lokale Blumenwelt an. Es scheint als ob die Regen der letzten Zeit zwar nicht die Flüsse zum fliessen bringen werden, dass aber doch genug Wasser gefallen ist, so dass die Pflanzen einen Lebenszyklus starten können.

Will's desert fuchsia or Sandhill native fuchsia (Eremophila willsii) Broad-leaf parakeelya (Calandrinia balonensis) Native or wild hops also known as Rosy or Ruby dock (Rumex vesicarius) billibutton (Calocephalus knappii)

.... Will's desert fuchsia oder Sandhill native fuchsia (Eremophila willsii), Broad-leaf parakeelya (Calandrinia balonensis), Native oder wild hops auch unter dem Namen Rosy oder Ruby dock (Rumex vesicarius) bekannt, billibutton (Calocephalus knappii) ...

Poached egg daisy (Myriocephalus stuartii) small yellow button (Helichrysum
  apiculatum)

... Poached egg daisy (Myriocephalus stuartii), white paper daisy (Helipterum floribundum), small yellow button (Helichrysum apiculatum) und eine schwer identifizierbare daisy ...

Interessant ist es auch das erneute spriessen der Paddy Melons (wilde, giftige Melonen) im trockenen Flussbett zu beobachten.
Sie müssen wesentlich tiefere Wurzeln haben als das sie umgebende Gras.

Ruedi har Erbarmen mit den durstigen Insekten und generiert, vor allem für die Falter, eine Wasserstelle.

Bald schon haben die Bienen alles fest im Griff.
Es ist unglaublich wie viele Bienen herkommen um wahrscheinlich Wasser für den Bienenstock zu holen. Immer wieder muss Ruedi Wasser nachfüllen.

Am Sonntag den 8. Oktober wachen bei stark windigem Wetter auf.
Sobald man ein Fenster oder die Türe öffnet, wird feiner Sand in die Kabine geblasen.
Nachdem die Temperatur im Laufe des Tagesaber aber auf 32°C ansteigt, beschliessen wir die Fenster trotzdem zu öffnen und eben mit den rot-sandigen Oberflächen zu leben.

Mit den Fotos für unsere Web-Seite kommen wir zügig voran.
Oft ist das Resultat frustrierend. Wegen des unglaublich starken Sonnenlichtes ist es beinahe unmöglich die Belichtung richtig hin zu bekommen. Der Kontrast ist für die Kamera einfach zu gross.

Der Sturm bläst die ganze Nacht hindurch und weiter bis am Montag.

Für uns ist es Zeit weiter zu ziehen da unsere Genehmigungen zum durchfahren der Great Central Road langsam ablaufen.
Auf dem Rückweg zum Start Highway suchen wir einmal mehr das verlorene Teil des Seilspanners ... wir finden es aber nicht. Dafür finden wir einen Gabelschlüssel und Teile eines Schäckels. Wir scheinen also nicht die einzigen zu sein die auf diesem Streckenabschnitt wegen des starken Wellblechs Material verlieren.

Wegen des Sturms hat es viel Sand in der Luft.
Obwohl die Sonne scheint, ist der Uluru nur schwer zu sehen. Es scheint als ob er hinter einem Vorhang versteckt sei.

Über Nacht bleiben wir auf dem Campingplatz beim Uluru tanken Diesel und Wasser und kaufen die letzten Esswaren.

Am Donnerstag fahren wir weiter in Richtung Grenze nach West Australien.
Am Eingang zum Uluru National Park müssen wir unsere Permits vorweisen und kommen dadurch theoretisch gratis zu einem Tag im Park.
Kurz vor den Olgas verlassen wir die Teerstrasse und biegen in die Tjukaruru (Peterman) Road Richtung Docker River ein.

Das Wellblech ist recht stark, aber die schönen Blumen machen das wieder wett. Der Frühling hat begonnen und Susi ist damit beschäftigt, möglichst alle möglichen Blumen zu erspähen ...

... aber auch sonst ist die Landschaft hübsch.

Dieses Gras finden wir höchst interessant.

Wir fahren an den Petermann Ranges vorbei.
Beim studieren der Reiseführer lesen wir von den vielen bekannten Leuten die hier draussen Pech hatten und ihr Leben verloren ... Lasseter's Höhle ist ein solcher Hinweis .....

Als Harold Lasseter die Gegend zwischen der Gibson Desert und der Blackstone Range um 1900 erforschte, behauptete er eine 23 km lange Goldader gefunden zu haben.
Erst 1930 wurde eine Firma gegründet mit dem Ziel, unter Lasseters Führung die Goldmine zu suchen um diese dann auszubeuten.
Die Expedition war gut ausgerüstet, hatte ein Flugzeug, Lastwagen und Funk. Das Flugzeug stürzte aber in der Nähe des Uluru ab und Lasseter verliess das Team, nach Auseinandersetzungen, alleine in Richtung Westen durch die Petermann und die Rawlinson Ranges.
Lasseter schrieb in seinem Tagebuch, dass er die Goldmiene am 23. Dezember gefunden und markiert habe. Auf dem Rückweg Richtung Uluru, brannte sein Kamel mit all seinem Wasser und Proviant durch, als er etwa 50 km östlich der heutigen Docker River Aborigini Community war.
Er realisierte, dass er das Expeditions-Team in der Nähe der Olgas wahrscheinlich nicht erreichen könne und harrte einige Wochen in einer Höhle am Rande des Hull River aus und wartete dort vergebens auf seine Rettung.
In seiner Verzweiflung unternahm er schlussendlich trotzdem den unmöglichen Versuch die Gesellschaft selber zu erreichen. Er wurde von einer Aborigini Familie unterstützt, brach aber einige Tage später trotz der Hilfe zusammen und starb beim Irving Creek.
Lasseters Körper und sein Tagebuch wurden später gefunden und seither lebt die Legende seiner Goldmine immer noch.
In seinem Tagebuch schrieb Lasseter, die Miene sei weniger als 5 Tagesritte auf einem Pferd, in westlicher Richtung, von der Höhle entfernt. Viele Geologen haben seither erfolglos versucht die Goldader zu finden.

Als wir näher an Docker River herankommen wird das Wellblech so stark, dass wir unseren Navigations-PC aus Sicherheitsgründen abschalten. Wir wollen keinen Disk-Crash riskieren.
In Docker River füllen wir ein letztes Mal vor der Great Central Road die Dieseltanks. Die zwei vollen 110 Liter Tanks sollten bis nach Leonora reichen.

Wir sind trotz allem etwas nervös und haben einen gehörigen Respekt vor der langen Strecke.
Wir werden, bis wir Laverton erreichen, mindestens 3 Tage unterwegs sein.
Wir fragen uns, ob wir für diese Strecke tatsächlich genügend gut ausgerüstet sind. Aber mit 200 Liter Wasser und Proviant für einige Wochen ist diese Frage klar mit ja zu beantworten. Zudem hat es am Weg einige Road Houses. Dazu haben wir ja für den Fall eines Defektes entsprechende Kommunikationsmittel und die notwendigen Telefonnummern sind auf der Karte von Hema zu finden.
Also los!!

Das erste was uns nach der Überquerung der Grenze nach West Australien auffällt, ist dass die Strecke frisch planiert ist.
Super!!!!

Wir passieren den Beadell Tree (ein sogenannter blazed tree), an welchem von Len Beadell, während dem Bau des Gunbarrel Highways in den 50-er Jahren, eine Plakette angebracht wurde.

Len Beadell ist ein Volksheld und war wahrscheinlich einer der letzten echten Erforscher des Australischen Outback.
Er ist erst vor ein paar Jahren gestorben.
Len arbeitete beim Staat und hatte die Aufgabe, Tracks zu erstellen, welche zur Landesvermessung, zum erstellen von Wetterstationen und zum Aufbau des Woomera Raketentestgeländes gebraucht wurden. Es existiert ein ganzes Netzwerk seiner Tracks in diesem Gebiet.
Der Hauptgrund diese Tracks zu erstellen war die Atomforschung, was später mit den Atomexplosionen endete.
Um die Atomtests "sicher" durchführen zu können, wurden viele Wetterstationen gebraucht, um sicher zu sein, dass der atomare Ausfall im Gebietet der Wüste stattfinden wird.

Zuerst studierte Len die wenigen verfügbaren Karten und definierte die Basis-Route (er versuchte immer die Tracks so gerade wie möglich zu bauen .... was die Theorie war, welche aber nicht immer funktionierte).
Dann führte er im Landrover, alleine, eine Erkundungsfahrt entlang der berechneten Route durch.
Wenn er mit der endgültigen Streckenführung zufrieden war, brachte er seine Mannschaft mit den schweren Maschinen ins Gebiet, liess mit dem Bulldozer das Gebüsch und die wenigen Bäume entfernen und liess dann mit dem Grader die Strecke planieren und fertig stellen..
Auf diese Weise ermöglichte Len mit seiner Truppe den Zugang zu etwa 2.5 Millionen Quadratkilometern Land im Bereich von Gibson-, Great Sandy- and Great Victoria Desert, wobei ungefähr 6'000 km an Tracks erstellt wurden.
Viele dieser Tracks tragen die Namen seiner Familienmitglieder: Der Anne Beadell Highway trägt den Namen seiner Frau, der Connie Sue Highway den seiner ältesten Tochter, der Gary Highway den seines Sohns und die Jackie Junction den Namen seiner jüngsten Tochter.

In der Nähe des Giles Creek finden wir einen schönen Schlafplatz. Wir versuchen immer uns etwas zu verschlaufen, so dass wir von der Strasse her nicht Kilometer weit sichtbar sind. Das kann in den endlosen Ebenen manchmal schwierig sein.

Nach einer weitern herrlich warmen Nacht um 16°C fahren wir am Morgen weiter, entlang des Schwerin Mural Crescent.
Das Land sieht in der Morgensonne hübsch aus. Es scheint ein weiterer, perfekter aber heisser Tag zu werden.

Da wir es versäumt haben, vorgängig den Lonely Planet Reiseführer über dieses Gebiet zu lesen, fahren wir leider an der Giles Meteorological Station, welche von Len gebaut wurde, vorbei.
Na ja, wir werden sicher nochmals hier vorbeikommen und so noch eine weitere Gelegenheit dazu bekommen.

Wir sehen die ersten wilden Kamele an dieser Strecke. Sie haben dieselbe komische Verhaltensart wie auch viele andere Tiere (z.B. Kängurus, Emus), indem sie erst neben dem Wagen her fliehen um dann ganz am Schluss knapp vor dem Wagen durch zu rennen.
Das macht es doch recht gefährlich, da eine Kollision sowohl für uns, wie auch für das Kamel und dem Wagen gesund wäre. Also reduzieren wir die Geschwindigkeit, bis sich die Kamele entschieden haben endlich unsere Spur zu kreuzen.

Auf der Karte sieht Susi auf einer Seitenstrasse, etwa 1.5 km vom Haupt-Track entfernt, das Kutjurntari Rockhole.
Wundershalber versuchen wir das Wasserloch zu finden. Obwohl es sich nur etwa 500 m vom Weg entfernt befindet sehen wir gar nichts.
Da es sich innerhalb des Warburton Aboriginal Reserve befindet sehen wir davon ab, es zu Fuss zu suchen. Wir werden später noch mehr Gelegenheiten haben, Wasserlöcher zu finden.

Dann trauen wir kaum noch unseren Augen ... Fahrradfahrer inmitten der Wüste ... und das bei Tagestemperaturen um 35°C.!
Die Fahrer des Begleitfahrzeugs, welchem wir nach kurzer Zeit begegnen, informieren uns, dass es sich hier um die Gunbarrel Challenge handelt und dass die Radler nur während der etwas kühleren Morgenstunden fahren und den Rest des Tages ruhen.
Trotzdem, das ist eine rechte Herausforderung!

Die Umgebung zwischen Warakurna und Warburton ist sehr karg und trocken.
Der Elber Creek nahe Warburton hat zwar immer noch Wasser, welches aber nicht mehr fliesst.

Kurz vor der Abzweigung nach Mitika stossen wir auf diese schön bemalte Raststelle.

Nach Steptoe´s Corner wo der Heather Highway mit der Great Central Road zusammen kommt, erreichen wir eine Gegend, wo es offensichtlich vor kurzer Zeit geregnet haben muss.
Die Erde ist mit Blumen übersäht.

Und da finden wir auch das ..... wir hoffen nur, dass der Lehrling danach mit seinem "Pensions-Training" fortfahren konnte ...

Endlos geht die Strasse weiter durch das flache, trockene Land.
Nun, wir reisen ja schliesslich durch die Gibson Desert!

Wie manche andere Orte auch, steht hinter diesem Namen eine tragische Geschichte.
Nachdem sich die Natur vielen vorgängigen Versuchen widersetzte, wagte Ernest Giles 1874 ein letztes Mal das Gebiet westlich der Peterman Ranges zu erforschen.
He war mit dem jungen Stockman (Cowboy; Drower; Viehüter) Alf Gibson unterwegs.
Nach etwa 140 km in westlicher Richtung brach das Pferd von Gibson zusammen. Giles gab ihm sein eigenes Pferd und sandte ihn zurück um Hilfe zu holen, im Wissen, dass es unmöglich sein würde weiter zu gehen.
Gibson verlor die Orientierung und starb irgendwo in der Wüste. Giles, alleine, zu Fuss und mit nur wenig Wasser, schaffte es als erfahrener Erforscher hingegen zurück!
Giles benannte die Wüste zur Erinnerung, nach dem Namen seines Reisebegleiters.

Heute finden wir einen guten Übernachtungsplatz in der Nähe der Parallel Road Nr. 2.


Am Donnerstagmorgen gibt es auf die gleiche Art weiter ...... flach, trocken, kein Ende nehmen wollend ......

Dann erreichen wir die nächste Wasserstelle, welche anhand der Karte "nahe" an der Strasse liegt: die Muggun Rockholes

Wir fahren so nahe darauf zu wie wir können.
Basierend auf der 1:250'000 Karte geben wir auf dem GPS einen Wegpunkt des Wasserloches ein und hoffen, dass die errechnete Position so genau ist, dass wir von dort aus das Wasserloch sehen und finden können. Es sollte ungefähr 400 m vom Wagen entfernt im Busch sein.

Da es nur 400 m zu gehen sind, rüsten wir uns nicht für eine Wanderung aus, sondern nehmen ledig das GPS, auf dem wir zusätzlich die aktuelle Position des OKAs festhalten, mit, sowie einen Satz Ersatzakkus für das GPS, die Sonnenbrillen, die Hüte und die Kamera.

Wir stechen in den Busch und folgen Tierspuren, im speziellen den Kamelspuren, da wir hoffen, dass die uns zum Wasserloch führen.
Wie Tierspuren eben sind, folgen sie nicht der direkten Linie, sondern gehen kreuz und quer, dem Gras und den Blumen nach.
Es ist interessant den gelaufenen Weg auf dem GPS zu verfolgen. Er sieht eher aus wie moderne Kunst, als wie ein Track.

Als wir uns etwa 300 m vom OKA entfernt in Richtung Wasserloch befinden, meldet das GPS nicht überraschend "Battery low".
Kein Problem. Ruedi wechselt sie gegen die Ersatzakkus aus ..... aber die sind komplett leer! Das GPS startet nicht mehr.
Ruedi installiert wieder die alten Batterien und hofft, dass diese noch bis zurück zum OKA durchhalten.
Ruedi informiert Susi über den unerwarteten Wechsel des Plans und wir kehren sofort um, dieses Mal aber auf dem kürzesten Weg - keine Umwege, keine Fotostops.

Wir sind überrascht, dass wir den OKA, obwohl wir nur noch 50 m davon entfernt sind, noch immer nicht sehen können.

Wir schaffen es aber zurück bevor die alten Batterien ihren Geist aufgeben.

Die oberen Fotos sind aus 50, 45 und 40 Distanz zum OKA aufgenommen.
Erst auf der letzten Aufnahme sind die Umrisse des grossen Fahrzeugs durch das Dickicht der Mulgas sichtbar.

Etwas war erstaunlich: Obwohl Susi keinen Durst hatte, änderte sich das schlagartig, als Ruedi sie, nach dem Wechsel der Batterien über die eigentlich ungefährliche, Situation aufklärte.

Die Situation wäre dieses Mal auch beim totalen Ausfall des GPS nicht gefährlich geworden, weil wir einen Kompass bei uns hatten und wussten in welche Richtung wir hätten gehen müssen um sicher die Strasse zu erreichen. Dort hätten wir gewusst in welche Richtung wir hätten laufen müssen, je nach dem ob wir unsere, sehr typischen Fahrzeugspuren gesehen hätten, oder nicht. Auch war es genau Mittag und die Sonne stand genau im Norden, was auch gleichzeitig die Marschrichtung gewesen wäre, da die Strasse in süd-westlicher Richtung verläuft.


Wir sind lediglich sehr unvorsichtig gewesen und haben uns vorgängig zuwenig Gedanken gemacht:
- Wir sind in einem Gebiet wo es niemand erwartet, von der Hauptroute abgebogen.
- Wir haben das Fahrzeug verlassen ohne eine Notiz, wohin wir gehen werden und wann wir gedenken zurück zu sein.
- Wir haben niemanden über unser Vorhaben informiert.
- Wir haben keinerlei Material mitgenommen. Auch auf einen kurzen Trip muss mindestens das Satelliten-Telefon, etwas Wasser und die Notapotheke mitgenommen werden.

Eines ist aber ganz klar: In Umgebungen wie hier, wo man rundherum keine Orientierungspunkte hat und wo die Sichtweiten wegen des hohen Gestrüpps unter 100 Metern liegen, verliert man sofort die Orientierung. Da an vielen dieser Orte im Umkreis von teils hunderten von Kilometern niemand ist, wird die Situation sofort lebensgefährlich.
Wir haben davon gehört, dass sich Leute schon beim pinkeln verlaufen haben - heute glauben wir das.

Als Konsequenz aus der Geschichte, werden wir uns ein zweites, ganz einfaches GPS zulegen, auf dem ebenfalls die Position des OKSs als Wegpunkt gespeichert wird.
Wir haben unsere Lektion gelernt ....

[2007: Wenn wir vorgängig den Reiseführer "Reise Know-How von Otmar Lind und Andrea Niehues - Australien Outback-Handbuch" studiert hätten, dann wären wir darin auf die exakte Position des Wasserloches gestossen. 27°00'06'' S - 125°20'00'' E.
Nun kann uns, wenn wir das nächste Mal über die Great Central Road fahren, nichts mehr stoppen!]

Wir sehen dieses sehr geistreiche Hinweistafel ... erstens wirkt es als Blickfang und zweitens liegt ein rostendes Wrack weniger am Strassenrand.

Dann finden wir die GPS Position des Terhan Rockholes in einem Reiseführer und gehen es suchen.
Als wir in dessen Nähe kommt, weicht die Strasse aber von derjenigen auf dem GPS, von "Tracks 4 Australia", ab. Die Strasse muss verlegt worden sein.
Also suchen wir nach einer Möglichkeit auf die alte Strasse zu gelangen. Wir finden auch eine, etwas rau, aber es geht.

Einmal auf der alten Strasse ist es dann einfach die exakte Position anzufahren und so finden wir auch das Wasserloch.
Das Wasser ist ganz grün und stinkt fürchterlich. Auch hat der Ast welchen die Aboriginis hineingestellt hatten nicht verhindern können, dass Tiere im Wasserloch ertrunken sind.
Trotzdem sind wir glücklich endlich einmal ein Loch gefunden zu haben.

Unterdessen haben wir gelernt, dass die Aboriginis, wenn sie Wasser aus einem solchen Wasserloch brauchen, dieses zuerst leeren, gründlich reinigen und erst das neue, nachlaufende Wasser konsumieren.

In Mitten von nirgendwo kommen wir an einer Landepiste für den Royal Flying Doctors Service vorbei.
Es ist erstaunlich wo überall Pisten für die RFDS Flugzeuge, meist existieren, so dass diese Patienten aufnehmen können.

Es beruhigt zu wissen, dass eine solche Organisation existiert.
Für Leute wie wir welche gerne die entferntesten Orte bereisen, bedeutet es eine zusätzlich Sicherheit.

Wir kommen an einem leeren Dam vorbei und wundern uns was das blaue Rohr an dessen Rand soll.
Ruedi meint, es sei eine Grundwasserbohrung aber wir sind uns nicht sicher, wie das Wasser aus der Tiefe in den Damm kommt.
Anhand der Blumen muss der Damm noch vor kurzem Wasser gesehen haben.

Also schauen wir uns den nächsten Dam, welcher zurzeit gerade gebraucht wird näher an.

Das Wasser in den Bohrungen in dieser Gegend steht unter Druck. Es wird also einfach der Deckel des Rohres entfernt, ein Schlauch am inneren, kleineren Rohr angehängt und das Ventil geöffnet. Damit fliesst das Wasser dann aus eigener Kraft in den Damm.

Um dann Wasser aus dem Damm zu entnehmen werden Benzin betriebene Pumpen verwendet.

Dann versuchen wir das nächste Wasserloch zu finden: Die Pikul Rockholes.

Da wir aber die exakte GPS Position nicht kennen, und die Karte nicht allzu genau ist, finden wir es auch nicht.
Aber die Aussicht vom nahen Hügel ist schön .... und wir bewegen uns wieder einmal ein wenig.

Also kehren wir auf die Strasse zurück und fahren weiter .....STOP!
Wir sehen hinter der nächsten Kurve ein Schild mit der Aufschrift: "Pikul Rockholes" ... na wer sagt's denn ...

Ein gut unterhaltener Weg führt zu den Wasserlöchern, aber sie sind trocken.
Die Spuren an den Felsen dass hier seit langer Zeit, periodisch Wasser fliesst.

Als wir näher an die Grenze der Cosmo Newberry Aboriginal Community herankommen sehen wir einen Kleinbus am Rand der Strasse mit einer Aborigini Frau und 5 Kindern.
Der Wagen hatte gestern eine Panne. Der Mann der Familie ging per Anhalter zurück nach Laverton und die älteste Tochter auf gleiche Art auf die andere Seite zum Tjukayiria Roadhouse um Hilfe zu holen.
Sie hatten weder Wasser noch etwas zu essen bei sich, mit Ausnahme einer kalten Büchse Spagetti und 4 Liter Wasser welche sie von einem Lastwagenfahrer gestern Abend bekommen hatten.
Also macht Susi ein paar Sandwichs für sie und wir geben ihnen einige Flaschen Wasser.

Ruedi schaut sich den Wagen von aussen an und entscheidet, sich nicht einmal die Mühe zu nehmen nach dem Fehler zu fragen und schon gar nicht auf die Idee zu kommen etwas daran flicken zu wollen. Der Wagen ist in einem erbärmlichen Zustand. Überall hängen Kabel herum und Teile des Wagens fehlen. Der Wagen ist mit Garantie nicht in einem fahrtüchtigen Zustand und hat auch keine Nummer.
Das ist theoretisch möglich, da die Aborigini Communities Privatgebiet sind.
Auf Privatstrassen darf man natürlich jedes noch so abenteuerliche Gefährt bewegen und es fragt auch niemand nach dem Alter des Fahrers.
Die Bauern machen auf ihren Stations dasselbe. Dort haben die Kinder ihre eigenen Fahrzeuge um damit bis zur Grenze zu fahren um den Schulbus zu erreichen.
Uns wurde von einem Buben erzählt welcher zu klein war um die Pedale des Wagens zu erreichen. Der Vater hat darauf kurzerhand den Sitz entfernt, so dass der Kleine stehend zum Schulbus fahren kann.
Einmal mehr realisieren wir wie verschieden gewisse Dinge in Australien laufen. Die Behörden in der Schweiz würden wahrscheinlich Amok laufen, wenn sie von solchen Dingen hören würden!

Da wir für sie hier nicht mehr tun können, lassen wir uns ihre Details geben, so dass wir in Laverton die Polizei informieren können.
So wie wir zurück zum OKA gehen kommt Susi in den Sinn, dass auf den Hema-Karten die wichtigsten Telefonnummern vermerkt sind.
Wir nehmen das Satelliten Telefon hervor und geben es der Frau, so dass sie die notwendigen Telefonate selber erledigen kann.
Wir sind erstaunt. Ihre Tochter, ein Teenager hat überhaupt kein Problem mit dem Telefon zurecht zu kommen. Schon bald sind sie beschäftigt das Roadhouse und die Polizei zu informieren.
Einmal mehr sind wir froh ein Iridium Satelliten-Telefon gewählt zu haben, da es einfach überall funktioniert.

Obwohl es nicht unsere Absicht ist, kriegen wir natürlich das Eine oder Andere von ihren Gesprächen mit. Eine Diskussion ist sehr interessant, als sie das Roadhouse anruft:
Die Aborigini Frau wird wahnsinnig wütend, als ihr der Betreiber des Roadhouses erklärt, dass er von ihr 300 $ verlangt um sie hier abzuholen.
Wir finden den Preis absolut angemessen, wenn man bedenkt, dass das Roadhouse 120 km entfernt ist ... erst später lernen wir, dass Aboriginis kein Besitztum kennen, sondern alles allen gehört und jeder dem anderen im Bedarfsfall alles zu geben hat was ergeben kann. Wenn also der eine ein neues Auto braucht und der andere hat das Geld dazu, dann muss er dem einen das Geld für das Auto geben.
Das endet in der unmöglichen Situation, dass ein Aborigini der arbeitet und Geld verdient, dieses der Community zur Verfügung stellen muss. Wo ist also der Anreiz arbeiten zu gehen, wenn das erarbeitete Geld danach von andern ausgegeben wird .... im schlimmsten Fall um dafür Alkohol zu kaufen oder ein Auto zu erstehen, welches gleich danach wieder zu Schrott gefahren wird?
Irgendwie bekommen wir langsam etwas mehr Verständnis für die problematische Situation in welcher sich die Regierung, beim lösen der Probleme mit den Eingeborenen, befindet.

Nach Cosmo Newberry verlassen wir langsam die Wüste. Es hat immer mehr Bäume und Tiere.
Da wir wegen der gestrandeten Familie im Zeitplan hintennach hinken, befinden wir uns bei Sonnenuntergang immer noch auf Aborigini Gebiet.
Wir entscheiden trotzdem nicht in der Dunkelheit weiterzufahren und hier zu übernachten. Wir werden Morgen weiterziehen, auch wenn das Permit für das Gebiet bereits abgelaufen ist.

Wir finden einen optimalen Platz südlich von Cosmo Newberry und geniessen den herrlichen Sonnenuntergang.

Am Freitag den 13. Oktober fahren wir weiter nach Süden und erreichen Laverton.
Nun sind wir zurück auf dem Asphalt und in der Zivilisation.

Auf der Strasse fahren wir durch ein Gebiet mit vielen Tieren.
Das heisst aber auch, dass es viele totgefahrene Tiere hat, aber die Keilschwanzadler kümmern sich schon um deren Überreste.

Dieser Sand Goanna oder Gould's Goanna [Varanus gouldii] nimmt sich Zeit die Strasse zu überqueren ... erstaunliche Tiere.
Auch ein Emu flieht mit seinem Jungen.
Wusstest du, dass bei den Emus das Männchen für das ausbrüten der Eier und für die Aufzucht der Jungen zuständig ist? Das Weibchen hat das Gefühl nach dem legen der Eier genügend getan zu haben ...... na wo gibt's denn so was Unerhörtes!!
Währen dem ausbrüten verliert das Männchen etwa 7 kg seines Körpergewichts.
Nachdem die Jungen geschlüpft sind, werden sie vom Vater über ein ganzes Jahr betreut.

Nach einem kleinen Abstecher sind wir beim Malcom Dam, der aber leider beinahe leer ist.
Wenn er voll Wasser ist, muss es ein schöner Platz sein um Vögel zu beobachten.

Kurz vor Leonora sehen wir eine Tafel mit der Weisung "Lastwagenfahrer haltete bitte an und entstaubt eure Räder bevor ihr in die Stadt fährt".
He, soll das ein Witz sein?? Die werden wohl nicht etwa...?? Nein, das kann nicht sein!
Später erklärt man uns, dass die Lastwagenfahrer tatsächlich anzuhalten haben. Beim ersten Stopp fällt der angesammelte Staub und Sand von den Rädern.
Würden sie dies nicht tun, würde der Dreck im ganzen Ort verteilt. Wir haben ihnen dabei einmal zugeschaut. Es ist erstaunlich wie viel Dreck da am Boden liegen bleibt. Es sind doch bis zu 19 Achsen wovon 18 mit Doppelbereifung = max. 74 Räder pro Road Train.

Ausserhalb von Leonora zweigen wir nach Gwalia (Gwalia ist einer der poetischen Namen der Waliser für Wahle) ab, einer ganz speziellen Geisterstadt ....

Die "Sons of Gwalia" Goldmiene wurde 1896 entdeckt und war die wichtigste Miene in der Umgebung von Leonora. Sie wurde im Untertagbau betrieben. Auf der Suche nach lukrativen Investitionsmöglichkeiten in den West Australischen Goldminen, sandte eine in England basierte Firma einen jungen Mienen Engineer Namens Herbert Hoover(später 31. Präsident von Amerika) nach Gwalia, um entsprechende Objekte zu erkunden.
Hoover notierte: "In keinem anderen Förderland der Welt existiert eine solche Anzahl an Umwelthindernissen welche überwunden werden müssen bevor ein günstiger Förderbetrieb möglich wird ...."

Die Sons of Gwalia Mine war die sechstgrösste Goldmiene in Australiens Geschichte und mit Ausnahme der Kalgoorlie-Boulder's "Golden Mile" eine von lediglich zwei Mienen welche über 2 Millionen Unzen Gold produzierte.

Die heutige Tagbaumiene ist beinahe 300 m tief, hat einen Durchmesser von fast einem Kilometer und ist rund um den ursprünglichen Schacht der früheren Untertagbau-Mine gegraben.
Seit 2006 wird ein Schacht in Richtung Gwalia Deeps getrieben. Die Ader wird über einen Abstiegschacht (the Hoover Decline), der 125 m unterhalb des Schwimmbades neben der Aussichtsplattform beginnt, erreicht werden.
Es wird vermutet, dass die Gwalia Deeps ein Potential von über 1.5 Millionen Unzen Gold hat, die Ader liegt aber über 1 km tief unter der Erde.

Die Dampfwinde kam von England und wurde 1923 installiert.
Es ist eine der grössten Dampfwinden die noch in Australien ist.

Der Förderturm, von Hoover konstruiert, wurde 1899 aus Oregon-Pinienholz hergestellt.
Es ist der einzige noch existierende Holzförderturm in Australien.

Der Holzturm und die Dampfwinde waren Teil der Förderanlage, mit welcher die am Seil hängenden Wagen mit dem Gold-Gestein, in einem schrägen Schacht an die Oberfläche befördert wurden.

Hoover konstruierte und baute 1898 auch das Haus des Managers (Hoover House), das Mienenbüro und das Verwaltungsgebäude.

In den Goldfeldern war der Materialtransport schwierig und teuer und somit konstruierten die Sons of Gwalia eine Holzeisenbahn um die immense Menge an Mulga-Holz, das zur Dampf- und Gaserzeugung gebraucht wurde, heranschaffen zu können. Die Holzschienenstrecke mit einer Spurbreite von 20 Inch war über 112 km lang, führte westlich und südlich von Gwalia weg und ermöglichte den Zugang zu 1'280 Quadratkilometern Land.

Am Anfang wurde die Lokomotive "KEN" (ein Akronym für den Namen der drei Direktoren der Sons of Gwalia Company) genannt, aber im Laufe der Zeit wurde sie offiziell in "Midland" umgetauft.
Wie auch immer, sie wird immer noch liebevoll KEN genannt und das wird wohl für immer so bleiben.
"KEN" wurde 1934 gebaut und war bis die Untertagbaumine im Dezember 1963 schloss in Betrieb.

In den 50-er Jahren bemerkte die Firma zu spät, dass ein Grund für ihren Niedergang darin zu suchen war, dass die Angestellten nicht mehr gewillt waren, mit ihren Familien in den Wellblechhütten mit ihren nackten Erdböden zu leben.

Trotz dem Bau neuartiger Einrichtungen (inklusive einem Schwimmbad) und trotz der Unterstützung der Regierung, musste am 13. Dezember 1963 bekannt gegeben werden, dass die Miene an Silvester ihren Betrieb einstellen werde.
Die Einwohnerzahl von Gwalia und Leonora betrug zu der Zeit etwa 1700 Leute und nun begann ein Massenexodus um in anderen Mienen Arbeit zu finden.
Als das Gwalia Hotel am 17. Januar 1964 seine Tore schloss, hatten die beiden Orte noch ganze 14 Einwohner.

Es ist kaum zu glauben, dass das ruhige und jetzt verlassene Gwalia kurz vor 1900 das Zuhause von ungefähr 1000 Leuten war.
Heute hat der Ort 15 - 20 Einwohner

Die typischen Häuser von Gwalia haben ein Giebeldach und bestehen aus einer Holzstruktur mit einer Blechverkleidung.

Das Gebäude, welches später der Gemischtwarenladen von Gwalia war, wurde 1910 von Laverton her in den blühenden Geschäftsbereich von Gwalia, nahe beim State Hotel, verschoben. Später wurde das Haus nochmals, an die heutige Position verschoben.
Für mehr als 50 Jahre war es nahezu die einzige Versorgungsquelle des Ortes - ein richtiger "one-stop-shop", der von der Seife bis zu Munition alles verkaufte.

Das "Little Pink Camp" ist ein gutes Beispiel für den Einfallsreichtum der Mineure, welche ihre Häuser aus allen verfügbaren und möglichst billigen Materialien zusammen bauten.
Dieses kleine Wohnhaus, das auch aus dem oben erwähnten Holzgerüst mit seiner Wellblechverkleidung besteht, ist bekannt für seine Innendekoration und seine eigentümliche Unterteilung in drei separate Räume. Die teilweise noch bestehenden Innenwände bestehen aus Sackleine mit aufgeklebter Tapete aus alten Zeitungen. Auch hat es im Unterschied zu vielen anderen Gebäuden einen Holzboden anstelle des reinen Erdbodens.

Das "Patroni's Guest House" ist ein, aus mehreren einzelnen Häuschen bestehender, Komplex und einem mehrgiebeligen Hauptgebäude. Es ist normal konstruiert, hat aber zusätzlich eine, mit einem Gitterhag umgebene, Veranda.

Die meisten Mineure die nach Gwalia kamen, waren alleinstehende Männer und die Gasthäuser waren ihre Unterkunft.
Auch die besser betuchten, die sich ein eigenes Haus leisten konnten, assen vielfach in diesen Gasthäusern, da viele der ihrer Häuser keine Küche und keine Wasserversorgung hatten. Die Essen für eine ganze Woche kostete ungefähr 30 Schillinge - ungefähr 30% des durchschnittlichen Einkommens eines Bergarbeiters.

Als die Leute den Ort verliessen, liessen sie eine erstaunliche Menge an persönlichen Gegenständen, wie Fotos, Briefe, Kleider und Haushaltsgegenstände, zurück. Die Häuser wurden unterdessen (und werden immer noch) liebevoll restauriert und hergerichtet.

Beinahe widerstrebend, verlassen wir den ganz speziellen Ort. Es gäbe noch so vieles zu sehen.

Der Empfehlung von Peter und Margaret folgend, bleiben wir über Nacht im Niagara Dam Nature Reserve.

Auf dem Weg nach Kalgoorlie sehen wir uns den Lake Goongarie an.

Am Samstag erreichen wir Kalgoorlie. Wir werden von Peter and Margaret, den Besitzern von OKA 196 willkommen geheissen und campieren nahe von Kalgoorlie, out-bush in einer Gegend mit vielen Salmon Gums (Eukalypten).

Am Sonntag haben wir Zeit die lokalen Tiere, inklusive Falltür Spinnen (Trap-door spiders) und anderen komischen Kreaturen, welche ihre Haustüre über Nacht schliessen.

Auch ein Mallee Tree Dragon (Amphibokurus norrisi) lebt hier.

Am Montag treffen wir Robin Wade von "Kalgoorlie OKA". Da wir immer noch der einzige OKA der neuen Serie sind, nimmt Robin die Gelegenheit natürlich war und kriecht unter unseren Wagen um alle Änderungen zu studieren.

Dann ist es Zeit richtig Tourist zu spielen. Wir besuchen die Aussichtsplattform des Big Pit ...

.... und ob, das Loch ist ja riesig gross!

Die Grössenverhältnisse sind in etwa gleich, als wenn man sich eine sehr grosse Modeleisenbahn-Anlage ansieht (wie wir sie 2005 in Hamburg gesehen haben)!

Die haben hier 31 grosse Lastwagen; jeder kostet 4 Millionen $.
Jeder hat 2,300 PS, wiegt 166 Tonnen und hat einen 3'790 Liter grossen Dieseltank.
Sie können 225 Tonnen Gestein transportieren und ihre maximale Geschwindigkeit ist 55 km/h.

Sie haben 3 Bagger, wobei jeder 10 Millionen $ kostet.
Der beiden Motoren haben zusammen eine Leistung von 3,714 PS, sie wiegen 685 Tonnen und haben eine Tankkapazität von 11,000 Litern. Hey - das ist mehr als unser gesamter Jahresverbrauch!
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 2.1 km/h.

Eine Schaufel fasst mehr als 60 Tonnen Gestein und mit 4 Schaufeln ist ein Lastwagen voll ....

Am Dienstag haben wir nochmals einen Termin bei Robin. Wir werden eine Bohrfirma besuchen, so dass sie sich den neuen OKA-NT anschauen können.

Es macht uns unheimlich stolz, zu sehen wie diese erwachsenen Männer begeistert innen und aussen alles ansehen und unter dem Wagen herumkriechen.

Mangels neuer OKA's haben sie in der Zwischenzeit hauptsächlich Ford F250 und Toyota Landcruiser verwendet, möchten aber auf den OKA zurückwechseln, da die anderen Wagen den ständigen Belastungen auf die Länge nicht standhalten.

Wir lieben unseren kleinen Lastwagen!


 

 

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Last updated: Monday, 21.06.2010 9:24 PM


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